Religionen und Bestattungsformen
Der letzte Weg hat viele Gesichter.

Wie alle anderen Traditionen unterliegen auch Bestattungsformen einem langfristigen kulturellen und religiösen Wandel. Je nach Kulturkreis und Religionszugehörigkeit gibt es unterschiedliche Zugänge zum Tod. Für die einen ist es das unausweichliche Ende, für die anderen stellt er den Beginn eines Neuen dar. Christen und Muslime glauben an die Auferstehung, andere wie Hindus und Buddhisten, sind von der Wiedergeburt der Seele überzeugt. Bei allen Unterschieden haben sie eins gemeinsam: Sie wollen dem Sterbenden den Übergang in die Ewigkeit erleichtern und den Hinterbliebenen ihre Angst nehmen.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Elemente, die bei unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägung von Bedeutung sind:

Christliche Kirche

Nachdrücklich empfiehlt die Kirche, dass die fromme Gewohnheit beibehalten wird, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen. Sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen.

Seit 1964 akzeptiert die katholische Kirche gleichberechtigt die Art der Feuerbestattung. Die evangelischen Kirchen standen gegen Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts der Feuerbestattung zunächst ebenfalls überwiegend ablehnend gegenüber, danach setzte sich eine tolerierende, wenn auch nicht fördernde, Haltung durch.

Orthodoxie

In der orthodoxen Kirche wird die Feuerbestattung bis heute abgelehnt. In Griechenland wurde sie erst 2006 legalisiert.

Islam und Judentum

Im Islam und Judentum ist die Verbrennung des toten Körpers, also die Feuerbestattung, grundsätzlich verboten.

Bahá’i

1844 in Schiras im heutigen Iran entstanden, hat sich die Bahá’i-Religion mittlerweile in der ganzen Welt ausgebreitet. Eine große Zahl Bahá’i in Deutschland ist iranischer Herkunft, aber die Mehrheit der Mitglieder hat einen deutschen kulturellen Hintergrund. Für Bahá’i ist die Erdbestattung vorgeschrieben.

Hinduismus

Rund 900 Millionen Menschen hinduistischem Glaubens kennen ausschließlich Feuerbestattung und Verstreuung der Asche.

Lediglich die Orthodoxie, der Islam und das Judentum verbieten die Feuerbestattung. Das bedeutet aber:
     - 2,1 Milliarden Christen und
     - 850 Millionen Hindus und
     - 375 Millionen Buddhisten sowie
     - 1 Milliarde Atheisten
also insgesamt 4,5 Milliarden Menschen, fast drei Viertel der Weltbevölkerung, haben aus religiöser Sicht das Recht auf Feuerbestattung!


Kremation in Ubud